Autismus. Zu einer klinischen und kulturellen Diagnose
von Netzwerk Entresol (Hrsg.)
 

Essays von Gil Eyal/Brendan Hart und Ian Hacking
Übersetzung aus dem Englischen Patricia Kunstenaar
Vorwort Can Ünlü

«Kennst du eine Person mit Autismus, so kennst du eine Person mit Autismus», so lautet ein Leitspruch der Autismus-Community. Und doch gibt es offenbar etwas, das Autisten verbindet. So ist die Zahl der Diagnosen, der Autisten oder, wie sie sich selber nennen: der Aspies, in den letzten 25 Jahren rapide angestiegen.
Von dieser gegensätzlichen Prämisse ausgehend bieten die Aufsätze im vorliegenden Band zwei erfrischende Perspektiven. Die Soziologen Gil Eyal und Brendan Hart skizzieren die Entwicklung der Diagnose Autismus nach, richten ihr Augenmerk aber auf die Bedeutung der Therapien: Welche Rolle spielen die oftmals von Eltern (mit-)entwickelten Therapien bei der Identifikation, Differenzierung und Diagnostik von autistischem Verhalten? Welche Funktionen erfüllen sie für Patienten und Eltern (wenn sie Autismus nicht heilen können)?
Ist jeder Autist anders, stellt sich auch die Frage, woher das Interesse kommt, diese Menschen in einer Gruppe oder in einem Spektrum zu klassifizieren. Für den kanadischen Wissenschaftsphilosophen Ian Hacking zeigt die Geschichte des Autismus, dass wir es nicht mit einer «natürlichen Art», die auf ihre Entdeckung wartete, sondern mit einem moving target, einem beweglichen Ziel, zu tun haben: Die Klassifikation Autismus wirkt auf die Klassifizierten, die «Autisten», ein, wie umgekehrt sie (am deutlichsten bei den «Selbst-Advokaten», der Neurodiversitätsbewegung) und ihre Angehörigen auf die Klassifikation einwirken.

Paperback, 90 Seiten
2016, Verlag sphères
ISBN 978-3-905933-09-3
Preis: CHF 15, Euro 13

Inhalt, Vorwort & Autoren

Mit freundlicher Unterstützung der Stiftung Autismus

 



 Durch den Wind
Savant und Autist: Ein einzigartiges Zeugnis
von Josef Schovanec
 

Josef Schovanec ist Autist. In Momenten der Niedergeschlagenheit empfindet er sich als staatenlos und existentiell einsam, in guten Phasen als Reisender und Weltbürger aus Autistan. Der diplomierte Politikwissenschaftler und Doktor der Philosophie ist Absolvent einer der renommiertesten Universitäten Frankreichs (IEP) und beherrscht etwa zehn Sprachen, hat als Kleinkind aber mehrere Jahre lang nicht gesprochen. Mit acht konnte er einen Vortrag über Astronomie halten, war aber nicht in der Lage, ein Gespräch zu führen. Egal ob man es seiner Intelligenz, der Lebhaftigkeit seines Geistes oder seinem ausgeprägten Sinn für Humor zuschreibt: Josef ist besonders... wie jeder andere auch. "Durch den Wind" ist ein einzigartiger Bericht, der unseren Blick auf den Autismus nachhaltig verändert.

«Mit beissendem Humor, atemberaubender Aufrichtigkeit und aufs Genaueste beobachtet Josef Schovanec unsere Art zu leben - und die seine.» Le Monde

Pressestimmen
- «Sind die anderen verrückt, oder bin ich es?», SRF online, 9.10.2015, www.srf.ch
- Josef Schovanec, der Besucher aus einer anderen Welt, Kulturplatz, SRF, 07.10.2015, tp.srgssr.ch
- «Ich finde es nicht schlimm, verrückt zu sein», NZZ am Sonntag, 05.11.2015, Seite 1 pdf , Seite 2 pdf
- Reise nach Autistan, Arte Magazin, 24.03.2015, pdf

Softcover, ISBN 978-3905933-0, Buchflyer, Videoclip
Preis: CHF 22.80 / EUR 19.80 portofrei

Bestellungen per Email an: durch-den-Wind@spheres.cc oder über den Bestellbutton unten.
Lieferung portofrei (CH, D, A)

Mit freundlicher Unterstützung von: Stiftung Autismus, Stiftung Denk an mich, Stiftung Horizonte und Hans Asperger Stiftung

 



 Verführung, Aufklärung und Souveränität
von Olaf Knellessen, Peter Schneider (Hrsg.)
 

Eine Festschrift für Pierre PassettMit einem Grusswort von Antoinette Poli (Psychoanalytisches Seminar Zürich), Beiträgen von Mario Erdheim, Josef Zwi Guggenheim, Olaf Knellessen, Thomas Kurz, Martin Kuster, Peter Schneider und Claudia Maria Lehner sowie zwei Texten Von Pierre PassettPaperback, 206 Seiten

Mit einem Grusswort von Antoinette Poli (Psychoanalytisches Seminar Zürich), Beiträgen von Mario Erdheim, Josef Zwi Guggenheim, Olaf Knellessen, Thomas Kurz, Martin Kuster, Peter Schneider und Claudia Maria Lehner sowie zwei Texten von Pierre Passett

Paperback, 206 Seiten
ISBN 978-3-905933-05-5
Preis: CHF 25, Euro 20

Leseprobe

 



 Globalisierung. Wissenpolitik. Bildung
von Susan L. Robertson, Edgar Forster, Doris Goedl
 

Übersetzung des Textes von Robertson aus dem Englischen
Patricia Kunstenaar, Claudia Miller, Edgar Forster

Paperback, 95 Seiten
ISBN 978-3-905933-06-2
Preis: CHF 15, Euro 13

Leseprobe

 



 Die Psychoanalyse und ihre Bildung
von Brigitte Boothe & Peter Schneider (Hrsg.)
 

mit Beiträgen von Michael B. Buchholz, Günther Bittner, Brigitte Boothe, Helmwart Hierdeis, Rainer Kokemohr, Peter Passett, Giaco Schiesser, Eva Schmid-Gloor, Peter Schneider, Philipp Stoellger und Sarah Winter. Einleitung von Brigitte Boothe. Übersetzung von Patricia Kunstenaar. Bearbeitet von Lisa Heller und Daniel Schiesser.
Paperback, 220 Seiten
ISBN 978-3-905933-04-8
Preis: 35 CHF, 30 Euro

Sowenig die Psychoanalyse eine Entwicklungstheorie und lediglich eine therapeutische Technik unter vielen ist, sosehr ist sie - die geneigte Leserin, der geneigte Leser ahnt die Pointe - eine Theorie von Bildung im Sinne von Bildungs- und Umbildungsprozessen. Oder genauer gesagt: eine Theorie ganz unterschiedlicher Bildungen. Sie untersucht die Bildung der Sexualität aus der Matrix eines polymorph-perversen sexuellen Körpers, die Bildung von Symptomen, Symptomhandlungen und Träumen, von kulturellen Produktionen vom Witz bis zur bildenden Kunst, die Bildung der Religion und des Gesellschaftlichen ebenso wie die Bildung und den Zerfall von Masse - to be continued, wie es am Schluss der Kapitel von Fortsetzungsromanen heisst. Nicht zuletzt sollte auf dieser lang fortzusetzenden Liste die (therapeutische) Möglichkeit einer Umbildung von Symptomen nicht fehlen, denn als Therapie hat die Psychoanalyse immerhin ihren Anfang genommen.
Damit liefert die Psychoanalyse eine Theorie und Praxis von Bildung, die weit über ihren engeren Anwendungsbereich von Interesse sind.

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 ADHS - Eine Krankheit wird erwachsen
von Netzwerk Entresol (Hrsg.)
 

Tagungsband
mit Beiträgen von Svenja Matusall, Peter Schneider, Daniel Strassberg, Josef Zwi Guggenheim und Philipp Pignarre (deutschsprachige Erstübersetzung)
Paperback, 124 Seiten
Juli 2012, Verlag sphères
ISBN 978-3-905933-03-1
Preis: CHF 25, Euro 20

In den letzten Jahren ist das Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) zu einer regelrechten Modediagnose geworden, was einen spektakulären Anstieg der Verschreibung von Ritalin nach sich zog.
Dieses kleine Büchlein versucht den Aufstieg der Diagnose ADHS als kulturelles Phänomen zu verstehen. Dabei geht es weder darum, in den Chor der Kulturpessimisten einzustimmen, die in dem Phänomen den Niedergang der Kultur, den Verfall der Familie oder das Versagen der Pädagogik erblicken, noch darum, der Euphorie über den Fortschritt der Medizin zu verfallen. Vielmehr geht das Buch in verschiedenen Beiträgen der Frage nach, welche gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen gegeben sein müssen, damit sich eine bestimmte Diagnose durchsetzt ‒ und auch wieder verschwindet.

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 Menschenarten. The Looping Effects of Human Kinds
von Ian Hacking
 

Aus dem Englischen von Peter Schneider, Josef Zwi Guggenheim und Patricia Kunstenaar
Paperback, 87 Seiten
Juli 2012, Verlag sphères
ISBN 978-3-905933-02-4
Preis: CHF 15, Euro 13

Menschen werden nicht nur als Individuen betrachtet, sondern ‒ wie Tiere, Pflanzen und Dinge ‒ in Gruppen eingeteilt; und während es den nicht-menschlichen Dingen gleichgültig ist, was Menschen über sie und ihre Gruppe sagen, trifft dies auf Menschen und ihre Gruppen im allgemeinen nicht zu. Ian Hacking ‒ Foucaults Nachfolger am Collège de France ‒ untersucht in philosophischer und wissenschaftsgeschichtlicher Arbeit, welche Zwecke die Einteilung von Menschen in Gruppen (human kinds, die hier als „Menschenarten" wiedergegeben werden) verfolgen können und wie Menschenarten ihrerseits darauf reagieren. An Menschenarten interessiert uns, wie und unter welchen Bedingungen sie auftreten und erfasst werden, aber auch wie sie allenfalls verändert werden können. Wer eingreifen, vorbeugen oder heilen möchte, muss über ein kausales Verständnis von Menschenarten verfügen können ‒ wenn aber (Gruppen von) Menschen ihrerseits auf die Einteilung in eine Menschenart reagieren, kommt es zu looping effects, das heisst: Menschenarten sind nicht stabil und ihre Beschreibung wirkt auf sie selber zurück.

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 Das Gehirn und seine Psyche. Versuche über den neuroscientific turn
von Peter Schneider
 

Paperback, 87 Seiten
Juli 2012, Verlag sphères
ISBN 978-3-905933-01-7
Preis: CHF 15, Euro 13

In den Neurowissenschaften wird das, was einmal "Psyche" war, als (evolutionierte) Funktion des Gehirns naturalisiert. Hat die Neurowissenschaft, die sich in vielem derselben Fortschrittsrhetorik bedient wie die Psychoanalyse in ihren Anfängen, damit ein Ziel verwirklicht, das eigentlich schon Freud vorschwebte, zu dessen Erreichen ihm aber die technischen Mittel fehlten? In diesem Buch geht es nicht darum, der Neurowissenschaft ihre grossmundigen Verlautbarungen, die wichtigsten Rätsel der Menschheit (so gut wie) gelöst zu haben, um die Ohren zu schlagen; es geht auch nicht darum, die Erforschung des Gehirns für eine nicht besonders relevante Forschung zu erklären; und erst recht geht es nicht darum, für die Psychoanalyse Denkmalschutz zu beantragen. Ziel ist es vielmehr, die Konturen der Psychoanalyse zu schärfen als einer Theorie, die nicht vor allem eine biologisch evolutionierte Funktionalität im Auge hat, sondern ‒ paradox formuliert ‒ eine für das psychische Funktionieren wesentliche Dysfunktionalität: Eine Psyche also, für die wesentlich ist, dass sie sich immer wieder selbst in die Quere kommt. Was unter neurowissenschaftlicher Perspektive als umgrenzte Krankheit erscheint, versteht die Psychoanalyse als Ausdruck einer fundamentalen Konflikthaftigkeit des Psychischen.

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 Die Bildungsblase und der Verfall der universitären Autorität
von Peter Schneider
 

Wüsste man nicht, dass an unseren Universitäten und Hochschulen tatsächlich noch geforscht, gelehrt, gelesen, geschrieben, gelernt, experimentiert und diskutiert wird, so könnte man sich bei der Lektüre der Verlautbarungen unserer Bildungseinrichtungen des Eindrucks nicht erwehren, es handle sich bei diesen Institutionen in Wirklichkeit um potemkinsche Konstrukte Dieter-Behring’schen oder Madoff’schen Zuschnitts.

Man fragt sich, wer vor lauter Rankings, Evaluationen, Qualitätssicherung, Sustainability, European Credit Transfer and Accumulation System, Excellence und Excellence-Clustern, Corporate Governance, Fitness for Employability, Life Long Learning, Anträgen für Drittmittelforschung 1 und Eliteförderung überhaupt noch dazu kommt, irgendeinen vernünftigen Gedanken zu fassen, der es wert wäre, der Nachwelt erhalten zu bleiben. Die «Autonomie» der Universität bedeutete einmal Schutz der Wissenschaft vor allzu zudringlichen äusseren Verwertungsinteressen.

Wenn es heute eine bildungspolitische Aufgabe gibt, dann ist es diejenige, die Institutionen der Bildung vor sich selber zu schützen – vor einer hemmungslosen Selbstverwertung nämlich, die schliesslich zur Selbstzerstörung führt.

Dieses Buch ist erhältlich zum Preis von 10 CHF